Jürgen Beckmann

Prof. Dr.

Ehemaliger Ordinarius für Sportspychologie
Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften

geb. 05.03.1955

juergen.beckmann(at)tum.de

Ausführlicher CV und Publikationsübersicht (Download pdf 330 KB)

Wissenschaftliche Arbeit

Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Beckmann waren zunächst eher grundlagenorientiert im Bereich von Motivation und Volition (Wille) verbunden mit der Frage, wie die Lücke zwischen Motivation (Absichten) und Handeln überwunden werden kann. Daraus entwickelte sich eine anwendungsorientierte Forschungsrichtung zu Leistungsprozessen in verschiedenen Bereichen, die dann in die Sportpsychologie führte. Hier wurde eine Forschungsrichtung etabliert, die sich mit dem Versagen unter Stressbedingungen (choking under pressure) und deren neurophysiologischen Grundlagen befasst. Über diese Forschung konnten auch Interventionen entwickelt werden, mit deren Hilfe sich Handeln in Stresssituationen stabilisieren lassen kann.

In diesen Zusammenhang gehört auch die Forschung zum Thema Erholung, die Michael Kellmann als Assistent von Prof. Beckmann an der Universität Potsdam begann. Es hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur wer richtig erholt ist, volle Leistung bringen kann. Michael Kellmann, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, gehört mittlerweile zu den weltweit renommiertesten Erholungsforschern. Die fruchtbare Zusammenarbeit von Beckmann und Kellmann über die letzten 25 Jahre wird wohl auch noch die nächsten 10 Jahre fortgesetzt, denn der Routledge Verlag hat 2020 mit beiden einen Vertrag geschlossen, jährlich ein Buch über „Advances in Recovery Research: Interdisciplinary Insights“ herauszugeben.

Mit dem Thema Erholung hängt auch ein weiteres Forschungsfeld zusammen, mit dem die Forschungsgruppe von Beckmann im Jahre 2008, kurz vor dem Suizid des Fußballtorhüters Robert Enke begann. Hier wird die psychische Situation von Spitzensportlern thematisiert. Zunächst wurde die Prävalenz von Depression und Burnout untersucht. Eine 2013 im Journal of Clinical Sport Psychology erschienene Arbeit gehört zu den vielzitierten Standardwerken. Im Laufe der letzten 10 Jahre rückte dann der Präventionsgedanke in den Vordergrund. Der Routledge Verlag trat an Beckmann und Mitarbeiter heran, das „Routledge Handbook of Athletes‘ Mental Health and Well-Being“ herauszugeben. Dieses wird voraussichtlich in 2022 erscheinen.

Unlängst kam noch ein weiteres Thema hinzu. Anfang 2018 hielt Prof Beckmann am Deutschen Herzzentrum in München (DHM) einen Vortrag über „Motivation und Selbstvertrauen, Angst und Angstbewältigung bei chronischen Erkrankungen“. Daran schloss sich eine ausführliche Diskussion mit beim Vortrag anwesenden Menschen mit angeborenen Herzfehlern an. Der Forschungsstand zur psychischen Situation von Menschen mit angeborenen Herzfehlern war zum damaligen Zeitpunkt sehr dürftig, eine psychologische Versorgung praktisch nicht gegeben. Inzwischen hat die Arbeitsgruppe Psychokardiologie am DHM unter Leitung von Prof. Beckmann 8 Forschungsarbeiten zum Thema veröffentlicht und begonnen eine psychokardiologische Versorgung am DHM zu entwickeln.

Als Prof. Beckmann 2008 Dekan der Fakultät für Sportwissenschaften wurde, verfügte die Fakultät über 7 Professuren bei über 2000 Studierenden. Hauptaufgabe war die Anzahl der Professuren zu erhöhen und darüber auch wissenschaftlichen Output und Internationalität zu stärken. Dies war nur möglich durch eine inhaltliche Erweiterung unter Hinzunahme der Gesundheitswissenschaften. Angesichts einer bewegungsarmen Gesellschaft und daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten war die Kombination von Sport und Gesundheit naheliegend. Zum Ende der 2. Amtszeit von Prof. Beckmann war die Fakultät für Sport-und Gesundheitswissenschaften auf 12 Professuren angewachsen und verfügt inzwischen über 16 Professuren in Erstmitgliedschaft.

All diese Arbeiten gingen einher mit der Entwicklung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen erlebt Prof. Beckmann immer wieder als einen der schönsten Aspekte der Arbeit an der Universität: „Besonders freut mich, dass von meinen über 40 Doktorand*innen und Habilitand*innen inzwischen 6 selbst zu Professor*innen ernannt wurden.“

 

Kurzbiographie

seit 2021 Aufbau einer Akademie für Nachwuchsführungskräfte für die starcode GmbH
2020 - 2021 Internationalisierungsbeauftragter der TUM Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften
2008 - 2013 Dekan der Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaften, TUM
2006 - 2021 W3 Professur, Ordinarius für Sportpsychologie in der Fakultät für Sport- und
Gesundheitswissenschaften der TUM
2006 - 2021 Mitglied des Fakultätsrates, Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaften, TUM
1999 - 2002 Direktor des Instituts für Sportwissenschaften, Universität Potsdam
1998 - 2002 Mitglied der Senatskommission für Forschung der Universität Potsdam
1998 - 2002 Mitglied des Fakultätsrates, Fakultät für Geisteswissenschaften, Universität Potsdam
1997 - 2006 Professor (C3) für Sportpsychologie, Institut für Sportwissenschaften, Universität Potsdam
1993 Visiting Scholar an der Florida Atlantic University U.S.A. (Center for Complex Systems)
1990 - 1995 Heisenberg Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DfG)
1988 Habilitation in Psychologie, Universität Mannheim und Ludwig-Maximilians-Universität
München (1992), Dr. hab. Venia Legendi für Psychologie
1984 - 1990 Wiss. Mitarbeiter (Projektleiter) am Max-Planck Institut für Psychologische Forschung
München 
1984 Promotion in Psychologie zum Dr. phil. an der Universität Mannheim; Thema:
Kognitive Dissonanz. Eine handlungstheoretische Perspektive
1980 - 1983 Wiss. Mitarbeiter am SFB 24 der Universität Mannheim (Leitung Martin Irle)
1980 Diplom in Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Psychologie an der
Ruhr-Universität Bochum (RUB); Thema: Popper's Logic of the Situation as an
explanatory model for the social sciences

 

Mitgliedschaften und Auszeichnungen

Mitglied im Recognition Committee for EuroPsy Specialist Certificate in Sport Psychology für die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (seit 2021)

Vorsitzender des President’s Visiting Committee der University of Alberta, Canada (2014-2017)

Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Department of Nutrition, Exercise and Sport Sciences, University of Copenhagen, Denmark, (2015-2016)

Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie e.V. (ASP) (2005-2009), Mitglied des Präsidiums (1998-2005), Mitglied (seit 1998)

President der Arbeitsgemeinschaft Schneesport an Hochschulen (2002-2004)

Mitglied der American Psychological Association (APA) (1986-2010)

Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) (seit 1984)

 

Preise und Ehrungen

  • TUM Emeritus of Excellence (2021)
  • Adjunct Professor, University of Limerick, Ireland (2020)
  • Goldene Ehrennadel der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) (2019)
  • Honorary Professor, University of Queensland, Australia (2018)
  • Adjunct Professor, Southwest Jiaotong University, Sichuan, PR China (2007)
  • Silberne Ehrennadel des Deutschen Skiverbands (DSV) (2003)    
  • Heisenberg Stipendium der DfG (1990)
  • Jungwissenschaftlerpreis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) (1984)

Erläuterungen zu Preisen und Ehrungen finden Sie hier (pdf-Datei zum Herunterladen 251 KB).

 

Die 10 wichtigsten Veröffentlichungen

Andonian, C., Freilinger, S., Achenbach,S., Ewert, P., Gundlach, U., Hörer, J., Kaemmerer, H., Pieper, L., Weyand, M., Neidenbach, R., & Beckmann, J. (in press). The "Well-being paradox" revisited: A cross-sectional study of quality of life in over 4,000 adults with congenital heart disease. BMJ Open.

Wergin, V.V., Zimanyi, Z., Mesagno, C., & Beckmann, J. (2018). When Suddenly Nothing Works Anymore Within a Team – Causes of Collective Sport Team Collapse. Frontiers in Psychology, 9: 2115 doi: 10.3389/fpsyg.2018.02115.

Andonian, C., Beckmann, J., Biber, S., Ewert, P., Freilinger, S., Kaemmerer, H., Oberhoffer, R., Pieper, L., & Neidenbach, R.C. (2018). Current Research Status on the Psychological Situation of Adults with Congenital Heart Disease (ACHD).  Cardiovascular Diagnosis and Therapy, 8(6):799-804. doi: 10.21037/cdt.2018.12.06

Kellmann, M., Bertollo, M., Bosquet, L., Brink, M., Coutts, A., Duffield, R., Erlacher, D., Halson, S., Hecksteden, A., Heidari, J., Kallus, W., Meeusen. R., Mujika, I., Robazza, C., Skorski, S., Venter, R., & Beckmann, J. (2018). Recovery and performance: Consensus statement. International Journal of Sports Physiology and Performance, 13, 240-245.

Mirifar, A., Beckmann, J., & Ehrlenspiel, F. (2017). Neurofeedback as Supplementary Training for Optimizing Athletes’ Performance: A Systematic Review with Implications for Future Research. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 75, 419-432.

Cross-Villasana, F., Gröpel, P., Doppelmayr, M. & Beckmann, J. (2015). Unilateral Left-Hand Contractions Produce Widespread Depression of Cortical Activity after Their Execution. PloS One, 10 (12), DOI: 10.1371/journal.pone.0145867.

Beckmann, J., Gröpel, P., & Ehrlenspiel, F. (2013). Preventing motor skill failure through hemisphere – specific priming. Cases from choking under pressure. Journal of Experimental Psychology. General, 142, 679-691.

Nixdorf, I., Frank, R., Hautzinger, M. & Beckmann, J. (2013). Prevalence and determinants of depression in German high achievement athletes. Journal of Clinical Sport Psychology, 7(4), 313-326

Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.) (1994). Volition and personality: Action and state orientation. Seattle: Hogrefe & Huber Publishers.

Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.) (1985). Action control: From cognition to behavior. Heidelberg, Berlin, New York: Springer.