
Jürgen Beckmann
Prof. Dr.
Ehemaliger Ordinarius für Sportspychologie
Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften
geb. 05.03.1955
Ausführlicher CV und Publikationsübersicht (Download pdf 330 KB)
Forschung und wissenschaftliches Profil
Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Beckmann waren zunächst eher grundlagenorientiert im Bereich von Motivation und Volition (Wille) verbunden mit der Frage, wie die Lücke zwischen Motivation (Absichten) und Handeln überwunden werden kann. Daraus entwickelte sich eine anwendungsorientierte Forschungsrichtung zu Leistungsprozessen in verschiedenen Bereichen. In der Sportpsychologie wurde eine Forschungsrichtung etabliert, die sich mit dem Versagen unter Stressbedingungen (choking under pressure) und dessen neurophysiologischen Grundlagen befasst. Aus dieser Forschung heraus konnten auch Interventionen entwickelt werden, die zur Stabilisierung des Handelns in Stresssituationen beitragen.
In diesen Zusammenhang gehört auch die Forschung zum Thema Erholung, die Michael Kellmann als Mitarbeiter von Prof. Beckmann in den 1990er Jahren begann. Es hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur wer richtig erholt ist, volle Leistung bringen kann. Michael Kellmann, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, gehört mittlerweile zu den weltweit renommiertesten Erholungsforschern. Die fruchtbare Zusammenarbeit von Beckmann und Kellmann über die letzten 30 Jahre wird durch die jährliche Herausgabe eines Buches beim Routledge Verlag in der Serie „Advances in Recovery Research: Interdisciplinary Insights“ fortgeführt.
Eng verknüpft mit der Erholungsthematik ist die Entwicklung einer klinischen Sportpsychologie in Deutschland. Zunächst wurde die Prävalenz von Depression und Burnout untersucht. Eine 2013 im Journal of Clinical Sport Psychology erschienene Arbeit gehört zu den vielzitierten Standardwerken. Im Laufe der letzten 10 Jahre rückte dann der Präventionsgedanke in den Vordergrund. Der Routledge Verlag trat an Beckmann und Mitarbeiter heran, das 2023 erschienene „Routledge Handbook of Athletes‘ Mental Health and Well-Being“ herauszugeben.
Anfang 2018 hielt Prof. Beckmann am Deutschen Herzzentrum in München (DHM) einen Vortrag über „Motivation und Selbstvertrauen, Angst und Angstbewältigung bei chronischen Erkrankungen“ im Rahmen einer Veranstaltung zu angeborenen Herzfehlern. Der Forschungsstand zur psychischen Situation von Menschen mit angeborenen Herzfehlern war zum damaligen Zeitpunkt sehr dürftig, eine psychologische Versorgung praktisch nicht gegeben. Prof. Beckmann knüpfte mit diesen Arbeiten, wie zuvor schon in der klinischen Sportpsychologie, an seine anfänglichen, medizinischen Wurzeln an. Inzwischen hat die Arbeitsgruppe Psychokardiologie am DHM unter Leitung von Prof. Beckmann Mittel für drei Forschungsprojekte eingeworben und mehr als 25 Artikel zum Thema veröffentlicht. Außerdem wurde auch eine psychokardiologische Versorgung am DHM eingerichtet, die leider aus finanziellen Gründen 2025 eingestellt wurde. Prof. Beckmann führt unentgeltlich weiterhin an einem Nachmittag pro Woche eine telefonische Beratung durch.
Als Prof. Beckmann 2008 Dekan der Fakultät für Sportwissenschaften wurde, verfügte die Fakultät für Sportwissenschaften über 7 Professuren bei über 2000 Studierenden. Hauptaufgabe war die Zahl der Professuren zu erhöhen und darüber auch den wissenschaftlichen Output zu stärken sowie die Internationalität auszubauen. Dies war nur möglich durch eine inhaltliche Erweiterung unter Hinzunahme der Gesundheitswissenschaften. Angesichts einer bewegungsarmen Gesellschaft und daraus resultierenden Zivilisationskrankheiten war die Kombination von Sport und Gesundheit naheliegend. Zum Ende der 2. Amtszeit von Prof. Beckmann war die Fakultät auf 12 Professuren angewachsen und verfügt inzwischen über 16 Professuren in Erstmitgliedschaft.
All diese Arbeiten gingen einher mit der Entwicklung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen erlebt Prof. Beckmann immer wieder als einen der schönsten Aspekte der Arbeit an der Universität: „Besonders freut mich, dass von meinen über 40 Doktorand*innen und Habilitand*innen inzwischen acht selbst auf Professuren berufen wurden.“
Akademische Stationen
seit 2021 | TUM Emeritus of Excellence |
2020–2021 | Internationalisierungsbeauftragter der TUM Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften |
2008–2013 | Dekan der Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaften, TUM |
2006–2021 | W3 Professur, Ordinarius für Sportpsychologie in der Fakultät für Sport- und |
2006–2021 | Mitglied des Fakultätsrates, Fakultät für Sport und Gesundheitswissenschaften, TUM |
1999–2002 | Direktor des Instituts für Sportwissenschaften, Universität Potsdam |
1998–2002 | Mitglied der Senatskommission für Forschung der Universität Potsdam |
1998–2002 | Mitglied des Fakultätsrates, Fakultät für Geisteswissenschaften, Universität Potsdam |
1997–2006 | Professor (C3) für Sportpsychologie, Institut für Sportwissenschaften, Universität Potsdam |
1993 | Visiting Scholar an der Florida Atlantic University U.S.A. (Center for Complex Systems) |
1990–1995 | Heisenberg Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DfG) |
1988 | Habilitation in Psychologie, Universität Mannheim und Ludwig-Maximilians-Universität |
1984–1990 | Wiss. Mitarbeiter (Projektleiter) am Max-Planck Institut für Psychologische Forschung |
1984 | Promotion in Psychologie zum Dr. phil. an der Universität Mannheim; Thema: |
1980–1983 | Wiss. Mitarbeiter am SFB 24 der Universität Mannheim (Leitung Martin Irle) |
1980 | Diplom in Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Psychologie an der |
Akademische Mitgliedschaften und Funktionen
- Mitglied im Recognition Committee for EuroPsy Specialist Certificate in Sport Psychology für die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (seit 2021)
- Vorsitzender des President’s Visiting Committee der University of Alberta, Canada (2014-2017)
- Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Department of Nutrition, Exercise and Sport Sciences, University of Copenhagen, Denmark, (2015-2016)
- Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie e.V. (ASP) (2005-2009), Mitglied des Präsidiums (1998-2005)
- Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schneesport an Hochschulen (2002-2004)
- Mitglied der American Psychological Association (APA) (1986-2010)
- Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) (seit 1984)
Preise und Ehrungen
- TUM Emeritus of Excellence (2021)
- Adjunct Professor, University of Limerick, Ireland (2020)
- Goldene Ehrennadel der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) (2019)
- Honorary Professor, University of Queensland, Australia (2018)
- Adjunct Professor, Southwest Jiaotong University, Sichuan, PR China (2007)
- Silberne Ehrennadel des Deutschen Skiverbands (DSV) (2003)
- Heisenberg Stipendium der DfG (1990)
- Jungwissenschaftlerpreis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) (1984)
Erläuterungen zu Preisen und Ehrungen finden Sie hier (pdf-Datei zum Herunterladen 251 KB).
Die 10 wichtigsten Veröffentlichungen
Beckmann, J., & Elbe, AM (2024). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport (3. Aufl.), Hogrefe.
Nixdorf, I., Nixdorf, R., Beckmann, J., Martin, S., & MacIntyre, T.E. (Eds.) (2023). The Routledge Handbook of Mental Health in Elite Sports. Routledge
Andonian, C., Freilinger, S., Achenbach,S., Ewert, P., Gundlach, U., Hörer, J., Kaemmerer, H., Pieper, L., Weyand, M., Neidenbach, R., & Beckmann, J. (2021). The "Well-being paradox" revisited: A cross-sectional study of quality of life in over 4,000 adults with congenital heart disease. BMJ Open,11:e 049531. Doi: 10.1136/bmjopen-2021-049531
Wergin, V.V., Zimanyi, Z., Mesagno, C., & Beckmann, J. (2018). When Suddenly Nothing Works Anymore Within a Team – Causes of Collective Sport Team Collapse. Frontiers in Psychology, 9: 2115 doi: 10.3389/fpsyg.2018.02115.
Andonian, C., Beckmann, J., Biber, S., Ewert, P., Freilinger, S., Kaemmerer, H., Oberhoffer, R., Pieper, L., & Neidenbach, R.C. (2018). Current Research Status on the Psychological Situation of Adults with Congenital Heart Disease (ACHD). Cardiovascular Diagnosis and Therapy, 8(6):799-804. doi: 10.21037/cdt.2018.12.06
Kellmann, M., Bertollo, M., Bosquet, L., Brink, M., Coutts, A., Duffield, R., Erlacher, D., Halson, S., Hecksteden, A., Heidari, J., Kallus, W., Meeusen. R., Mujika, I., Robazza, C., Skorski, S., Venter, R., & Beckmann, J. (2018). Recovery and performance: Consensus statement. International Journal of Sports Physiology and Performance, 13, 240-245.
Cross-Villasana, F., Gröpel, P., Doppelmayr, M. & Beckmann, J. (2015). Unilateral Left-Hand Contractions Produce Widespread Depression of Cortical Activity after Their Execution. PloS One, 10 (12), DOI: 10.1371/journal.pone.0145867.
Beckmann, J., Gröpel, P., & Ehrlenspiel, F. (2013). Preventing motor skill failure through hemisphere – specific priming. Cases from choking under pressure. Journal of Experimental Psychology. General, 142, 679-691.
Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.) (1994). Volition and personality: Action and state orientation. Seattle: Hogrefe & Huber Publishers.
Kuhl, J. & Beckmann, J. (Eds.) (1985). Action control: From cognition to behavior. Heidelberg, Berlin, New York: Springer.