
Ingrid Kögel-Knabner
Prof. Dr. Dr. h. c.
Ehemalige Ordinaria für Bodenkunde
TUM School of Life Sciences
03.12.1958
Forschung und wissenschaftliches Profil
Ingrid Kögel-Knabner zählt zu den international führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Bodenwissenschaften. Ihre Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, die Rolle von Böden als zentrale Komponente des globalen Klimasystems zu verstehen. Böden stellen den größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher dar und sind von fundamentaler Bedeutung für den globalen Kohlenstoffhaushalt sowie für zentrale Ökosystemfunktionen, insbesondere die Produktivität.
Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen Bildung, Zusammensetzung und Stabilisierung organischer Substanz in Böden. Ein besonderer Fokus liegt auf molekularen und mikrostrukturellen Mechanismen der Kohlenstoffspeicherung, insbesondere auf organo-mineralischen Wechselwirkungen. Ihre Forschung hat maßgeblich dazu beigetragen zu zeigen, dass die langfristige Stabilisierung organischer Bodensubstanz nicht primär auf deren chemischer Widerständigkeit gegenüber mikrobieller Zersetzung beruht, sondern wesentlich durch physikalische Schutzmechanismen und mineralische Bindungsprozesse bestimmt wird.
Zur Analyse dieser Prozesse nutzt sie hochauflösende spektroskopische und bildgebende Verfahren, darunter ^13C-NMR-Spektroskopie und NanoSIMS (Sekundär-Ionen-Massenspektrometrie). Durch die Verbindung molekularer Analytik mit einem systemischen Verständnis von Böden hat sie neue Einblicke in Dynamik, Funktion und Klimarelevanz organischer Bodensubstanz ermöglicht.
Ingrid Kögel-Knabner studierte Geoökologie an der Universität Bayreuth. Nach Promotion (1987) und Habilitation (1992) wurde sie auf eine Professur für Bodenkunde und Bodenökologie an der Ruhr-Universität Bochum berufen. 1995 folgte sie dem Ruf auf den Lehrstuhl für Bodenkunde an die Technische Universität München in Freising-Weihenstephan, den sie über drei Jahrzehnte wissenschaftlich prägte.
Von 2021 bis 2025 war sie Dekanin der TUM School of Life Sciences. In dieser Funktion übernahm sie in einer strukturellen Transformationsphase Verantwortung für die Weiterentwicklung der School, begleitete zahlreiche Berufungsverfahren und gestaltete deren wissenschaftliches Profil maßgeblich mit.
Neben ihrer Forschung war sie in zentralen wissenschaftspolitischen Gremien tätig, unter anderem im Senat und Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie im Bioökonomierat der Bundesregierung. Damit wirkte sie an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politikberatung und Nachhaltigkeitsforschung.
Seit 2015 wird sie kontinuierlich als „Highly Cited Researcher“ geführt und zählt zu den weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlerinnen ihres Fachgebiets.
Als TUM Emerita of Excellence bleibt sie der Technischen Universität München auch im Ruhestand eng verbunden und bringt ihre Expertise weiterhin in akademische und strategische Kontexte ein.
Akademische Stationen
| 1978–1983 | Studium der Geoökologie, Universität Bayreuth |
| 1983 | Diplom in Geoökologie, Universität Bayreuth |
| 1987 | Promotion in Bodenkunde, Universität Bayreuth |
| 1992 | Habilitation in Bodenkunde, Universität Bayreuth |
| 1992–1995 | Universitätsprofessorin für Bodenkunde und Bodenökologie, Ruhr-Universität Bochum |
| 1995–2025 | Universitätsprofessorin für Bodenkunde, Technische Universität München |
| 2009–2015 | Mitglied des Senats und Hauptausschusses der Deutschen Forschungsgemeinschaft |
| 2021–2025 | Dekanin der TUM School of Life Sciences |
| seit 2025 | TUM Emerita of Excellence |
Mitgliedschaften in Akademien
- Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (seit 2001)
- Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) (seit 2007)
- Bayerische Akademie der Wissenschaften (seit 2017)
- Academia Europaea (seit 2020)
- National Academy of Engineering, USA (seit 2025)
Auszeichnungen
- Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland (2013)
- Philippe-Duchaufour-Medaille, European Geosciences Union (2015)
- Emil-Ramann-Medaille der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (2015)
- Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.), Universität für Bodenkultur Wien (2015)
- Heinz-Maier-Leibnitz-Medaille der Technischen Universität München (2016)
- Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (2018)
Deutscher Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (2019)
Schlüsselpublikationen
Kögel-Knabner I, Guggenberger G, Kleber M, Kandeler E, Kalbitz K, Scheu S, Eusterhues K, Leinweber P (2008) Organo-mineral associations in temperate soils: integrating biology, mineralogy and organic matter chemistry. Journal of Plant Nutrition and Soil Science 171, 61-82.
Lehmann J, Hansel CM, Kaiser C, Kleber M, Maher K, Manzoni S, Nunan N, Reichstein M, Schimel JP, Torn MS, Wieder WR, Kögel-Knabner I (2020) Persistence of soil organic carbon caused by functional complexity. Nature Geoscience 13, 529–534.
Steffens M, Rogge D, Mueller C, Höschen C, Lugmeier J, Kölbl A, Kögel-Knabner I (2017) Identification of distinct functional microstructural domains controlling C storage in soil. Environmental Science & Technology 51, 12182-12189.
Vogel C, Mueller CW, Höschen C, Buegger F, Heister K, Schulz S, Schloter M, Kögel-Knabner I (2014) Submicron structures provide preferential spots for carbon and nitrogen sequestration in soils. Nature Communications 5:2947 | DOI: 10.1038/ncomms3947.
Kalbitz K, Kaiser K, Fiedler S, Kölbl A, Amelung W, Bräuer T, Cao ZH, Don A, Jahn R, Schwark L, Vogelsang V, Wissing L, Kögel-Knabner I (2013) The carbon count of 2000 years of rice cultivation. Global Change Biology 19, 1107-1113.