
Bernhard Rieger
Prof. Dr. Dr. h. c. phil.
Ehemaliger Ordinarius für Makromolekulare Chemie (WACKER-Lehrstuhl)
TUM School of Natural Sciences
21.01.1959
Forschung und wissenschaftliches Profil
Bernhard Rieger zählt zu den international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Makromolekularen Chemie und Katalyseforschung. Seine Arbeiten verbinden molekulare Katalyse, Polymerchemie und Materialwissenschaft mit dem Ziel, Struktur und Eigenschaften funktionaler Materialien gezielt zu steuern.
Im Zentrum seiner Forschung steht die Entwicklung katalytischer Verfahren zur präzisen Polymerisation. Durch spezifisch entwickelte Katalysatorsysteme gelingt es, die Mikrostruktur von Polymeren gezielt zu kontrollieren und Materialeigenschaften präzise zu definieren. Diese Arbeiten bilden eine Grundlage für funktionale und responsive Materialien mit Anwendungen von der Oberflächenfunktionalisierung bis hin zu biologisch aktiven Polymeren.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von Kohlendioxid als nachhaltiger Kohlenstoffquelle. Bernhard Rieger entwickelte katalytische Strategien zur Synthese neuartiger Polycarbonate sowie photokatalytische Ansätze zur CO₂-Reduktion im Sinne künstlicher Photosynthese. Seine Forschung leistet damit Beiträge zur Entwicklung nachhaltiger Materialkreisläufe und zur chemischen Nutzung von Treibhausgasen.
Am Institut für Siliciumchemie widmete er sich der Chemie niedervalenter Siliciumverbindungen sowie der Entwicklung Silicium-basierter Hybridmaterialien und Nanokomposite für optoelektronische Anwendungen. Die Verbindung molekularer Synthese mit funktionalen Materialsystemen kennzeichnet seine interdisziplinäre Forschungsstrategie.
Nach dem Chemiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Promotion (1988) folgten Forschungsaufenthalte in den USA sowie eine Tätigkeit in der industriellen Polymerforschung bei BASF. Nach Professuren in Ulm wurde er 2007 auf den WACKER-Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie an die Technische Universität München berufen und übernahm zugleich die Leitung des Instituts für Siliciumchemie.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine enge Verbindung von Grundlagenforschung und industrieller Anwendung aus, dokumentiert durch zahlreiche Patente sowie langjährige Kooperationen mit der chemischen Industrie.
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte sich Bernhard Rieger in der akademischen Selbstverwaltung der Technischen Universität München. Als langjähriges Mitglied und Sprecher des Senats sowie als Mitglied des Hochschulrats war er an zentralen Struktur- und Entwicklungsfragen der Universität beteiligt.
Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Aufbau internationaler Graduiertenprogramme, insbesondere der deutsch-kanadischen Graduiertenschule “ATUMS – Alberta / Technical University of Munich International Graduate School for Functional Hybrid Materials”.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet und in mehrere nationale und internationale Wissenschaftsakademien aufgenommen.
Als TUM Emeritus of Excellence bleibt Bernhard Rieger der Technischen Universität München auch im Ruhestand wissenschaftlich und institutionell verbunden.
Akademische Stationen
| 1980–1986 | Studium der Chemie, Ludwig-Maximilians-Universität München |
| 1988 | Promotion (Dr. rer. nat.), LMU München |
| 1988–1989 | Postdoktorat, University of Massachusetts, USA |
| 1989–1991 | Polymerforschung, BASF SE, Ludwigshafen |
| 1995 | Habilitation, Universität Tübingen |
| 1995–1997 | Professor für Organische und Makromolekulare Chemie, Universität Ulm |
| 1997–2006 | Lehrstuhl für Materialien und Katalyse, Universität Ulm |
| 2007–2025 | Ordinarius für Makromolekulare Chemie, Technische Universität München Direktor des Instituts für Siliciumchemie |
| 2015–2024 | Direktor der deutsch-kanadischen Graduiertenschule ATUMS (DFG IRTG 2022) |
| 2013–2019 | Mitglied des Senats und Hochschulrats der TUM |
| 2016–2019 | Sprecher des Senats der TUM |
| seit 2025 | TUM Emeritus of Excellence |
Mitgliedschaften in Akademien
- Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – acatech (seit 2013)
- European Academy of Sciences
- Finnische Akademie der Wissenschaften
Auszeichnungen und Ehrungen
- Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie, Gesellschaft Deutscher Chemiker (2013)
- Ehrendoktorwürde (Dr. h. c. phil.), Universität Helsinki (2007)
- Philip-Morris-Forschungspreis (2006)
- Kooperationspreis Hochschule / Wirtschaft, Universität Ulm (2000)
- Landeslehrpreis Baden-Württemberg (1997)
Erläuterungen zu Preisen und Ehrungen finden Sie hier (pdf-Datei zum Herunterladen 251 KB).