Wissenschaftliche Integrität im Fokus: Aktueller Beitrag in Forschung & Lehre stärkt zentrale Prinzipien des TUM-Ombudswesens
Aktuelles |
Welche Voraussetzungen braucht ein wirksames Ombudswesen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis? Dieser Frage geht der Rechtswissenschaftler und Ombudsmann Jörn Griebel in seinem Beitrag „Mangelhaftes System? Das Ombudswesen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (8/2026, S. 36–38) nach. Ombudspersonen, so Griebel, nehmen eine zentrale Rolle im System wissenschaftlicher Selbstkontrolle ein. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an ihre Auswahl und ihre institutionelle Stellung.
Anforderungen an ein wirksames Ombudswesen
Besondere Bedeutung misst Griebel ihrer Unabhängigkeit und Autorität bei. Kritisch thematisiert er mögliche berufliche Abhängigkeiten und fragt, ob Ombudspersonen in solchen Konstellationen auch gegenüber Vorgesetzten und anderen einflussreichen Personen unabhängig agieren können. Zugleich verlangt die Aufgabe ein hohes Maß an wissenschaftlichem Urteilsvermögen und Erfahrung im Wissenschaftssystem. Unterschiedliche Fachkulturen und Publikationspraktiken sowie Fragen zu Autorschaft und Forschungsdaten machen die Beurteilung von Fällen häufig komplex.
EoE prägen das Ombudswesen der TUM seit 2011
Den Anfang machte Prof. Georg Färber, der die Ombudsfunktion von 2011 bis 2016 übernahm; Dr. Eva Sandmann, langjährige Frauenbeauftragte der TUM, war in dieser Zeit stellvertretende Ombudsperson. Im gemeinsamen Interview „Vertrauen steht an erster Stelle“ gaben beide bereits 2014 Einblick in ihre Ombudsarbeit.
Auf Prof. Georg Färber folgten 2016 Prof. Joachim Heinzl als Ombudsperson und Prof. Angelika Görg als stellvertretende Ombudsperson. Von 2019 bis 2022 übernahm Prof. Heiner Bubb die Aufgabe; seine Stellvertreterin war Petra Marzin. Seit 2022 engagieren sich Prof. Kristina Reiss und Prof. Wolfgang Domcke ehrenamtlich als Ombudspersonen für gute wissenschaftliche Praxis. Ihre zweite dreijährige Amtszeit begann am 1. August 2025. Im TUM-Interview „Die wichtigste Grundlage unserer Arbeit ist Vertrauen“ gibt Prof. Kristina Reiss Einblick in die Aufgaben und Anforderungen der Ombudsarbeit.
Diese besondere Rolle ist auch institutionell verankert: Nach den geltenden TUM-Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis werden als Ombudspersonen in der Regel Wissenschaftler mit Leitungserfahrung ausgewählt, vorzugsweise aus dem Kreis der TUM Senior Excellence Faculty. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Ombudspersonen wird dabei professionell begleitet. Erika Schropp unterstützt die Ombudsarbeit seit vielen Jahren und war bereits während ihrer Tätigkeit als Referentin der Emeriti of Excellence in diesen Bereich eingebunden. Heute ist sie Referentin der Ombudspersonen Wissenschaft. Das TUM-Modell verbindet damit wissenschaftliche Erfahrung und persönliche Unabhängigkeit mit professioneller institutioneller Unterstützung.
Auch institutionell entwickelte sich diese Struktur weiter. Das zunächst im Umfeld der Emeriti of Excellence aufgebaute und betreute Ombudswesen erhielt mit der Exzellenzstrategie ab 2019 eine eigenständige organisatorische Verankerung im neu geschaffenen und weisungsunabhängigen TUM Compliance Office. 2020 wurde Prof. Angelika Görg, zuvor selbst stellvertretende Ombudsperson, zur ersten Vice President Compliance der TUM berufen und prägte dessen Aufbau. In einem Interview mit Forschung & Lehre erläuterte sie damals die neue Struktur und hob insbesondere Unabhängigkeit, wissenschaftliche Erfahrung und die besondere Eignung der Emeriti of Excellence für dieses Amt hervor.
Zum 1. November 2025 übernahm Prof. Christian Peschel, ebenfalls TUM Emeritus of Excellence und zuvor Ombudsperson für Respekt, dieses Amt. Mit Prof. Winfried Nerdinger hat die TUM 2024 zudem einen weiteren Emeritus of Excellence zum Antisemitismusbeauftragten bestellt.
Der aktuelle Beitrag in Forschung & Lehre unterstreicht damit zentrale Prinzipien, auf denen das TUM-Ombudswesen seit vielen Jahren beruht: wissenschaftliche Erfahrung und Autorität, verbunden mit einer besonderen Unabhängigkeit von unmittelbaren Karriere- und Hierarchieinteressen. Zugleich verweist Griebel auf die Bedeutung professioneller Strukturen zur Unterstützung der Ombudspersonen. Das Zusammenspiel von unabhängigen, wissenschaftlich erfahrenen Ombudspersonen und professioneller institutioneller Unterstützung ist an der TUM über viele Jahre gewachsen.
Zum TUM-Ombudswesen und zur Rolle der Emeriti of Excellence (SEF-Homepage)





