Werden unsere Äcker sterben? Professorin Ingrid Kögel-Knabner im MDR-Podcast „Die Großen Fragen in 10 Minuten“
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Wie kann Boden, der über Jahrtausende landwirtschaftlich genutzt wurde, verschwinden? In der MDR-Wissen-Reihe „Die Großen Fragen in 10 Minuten“ beantwortet Prof. Ingrid Kögel-Knabner diese Frage aus bodenwissenschaftlicher Sicht.
Dabei macht sie zunächst deutlich, wie dünn die Grundlage unserer Landwirtschaft tatsächlich ist: Der fruchtbare Oberboden umfasst häufig nur zehn bis dreißig Zentimeter. Entscheidend für seine Stabilität ist Humus. Organische Substanz verbindet feinste mineralische Partikel zu stabilen Aggregaten. So entsteht eine poröse Struktur, die Wasser aufnehmen kann und den Boden zugleich widerstandsfähiger gegen Wind- und Wassererosion macht.
Fehlt langfristig organische Substanz, verliert der Boden an Stabilität. Bei Starkregen kann dann wertvoller Oberboden abgeschwemmt werden. Prof. Ingrid Kögel-Knabner verweist auf ein alltägliches, aber eindrückliches Zeichen dieses Prozesses: Wenn Bäche und Flüsse nach starken Regenfällen braun gefärbt sind, führen sie häufig erhebliche Mengen Bodensediment mit sich. Während Boden auf diese Weise vergleichsweise schnell verloren gehen kann, ist seine Neubildung ein sehr langsamer Prozess.
Die zugespitzte These von den weltweit nur noch 60 verbleibenden Ernten relativiert sie deutlich. Eine pauschale Zahl werde den unterschiedlichen Böden und ihrer jeweiligen Bewirtschaftung nicht gerecht. Für Deutschland sieht sie derzeit keine akute Gefahr eines flächendeckenden Bodenverlusts. Um einen Boden tatsächlich nachhaltig zu schädigen, bedürfe es vielmehr einer massiven, wiederholten und langfristig schlechten Bewirtschaftung.
Entwarnung bedeutet das allerdings nicht. Bodenerosion bleibt auch hier ein relevantes Problem. Dabei nennt Prof. Ingrid Kögel-Knabner ein zunächst überraschendes Beispiel: Gerade die besonders fruchtbaren Lössböden können stark erosionsgefährdet sein. Hohe Bodenfruchtbarkeit schützt also nicht automatisch vor langfristigem Bodenverlust.
Damit macht Prof. Ingrid Kögel-Knabner deutlich, wie eng Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau und Bewirtschaftung miteinander verbunden sind – und warum der Schutz des Oberbodens eine langfristige Aufgabe ist.
Medien
Podcast: Die Großen Fragen in 10 Minuten: Werden unsere Äcker sterben?
MDR Wissen / ARD Sounds, 9. September 2026, 11 Min.
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