Professor Hans Hauner zur neuen Semaglutid-Tablette zur Behandlung von Adipositas
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Wegovy ist ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Adipositas und bestimmten Formen von Übergewicht. Sein Wirkstoff Semaglutid gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten und beeinflusst unter anderem Appetit und Sättigungsgefühl. Zum 1. September 2026 soll das bislang als wöchentliche Injektion verfügbare Medikament in Deutschland auch als täglich einzunehmende Tablette auf den Markt kommen.
Anlässlich der bevorstehenden Markteinführung hat Professor Hans Hauner, TUM Emeritus of Excellence und Seniorprofessor am Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin der TUM, die neue Darreichungsform bei einem Pressebriefing des Science Media Center Germany fachlich eingeordnet. Seine Einschätzungen wurden sowohl von der Pharmazeutischen Zeitung als auch über die Deutsche Presse-Agentur (dpa) von zahlreichen überregionalen und regionalen Medien aufgegriffen.
Eine besondere Herausforderung der oralen Anwendung liegt in der Aufnahme des Wirkstoffs: Semaglutid ist ein Peptid und wird über den Magen-Darm-Trakt nur in sehr geringem Umfang aufgenommen. Die Tablette enthält deshalb einen zusätzlichen Stoff, der die Aufnahme unterstützt. Dennoch werden laut Hauner nur etwa 1 bis 1,5 Prozent des enthaltenen Wirkstoffs aufgenommen. Für einen vergleichbaren Wirkspiegel wird daher eine deutlich höhere Menge Semaglutid benötigt als bei der Injektion.
In der Zulassungsstudie erreichte die einmal täglich eingenommene 25-mg-Tablette eine mit der wöchentlichen Injektion vergleichbare Gewichtsabnahme. Für die Versorgungspraxis rechnet Hauner mit einer durchschnittlichen Gewichtsreduktion von etwa 10 bis 12 Kilogramm. Ob Tablette oder Injektion im Alltag besser geeignet ist, hängt auch von den individuellen Voraussetzungen ab. Die Tablette muss nüchtern nach mindestens acht Stunden Fasten eingenommen werden; anschließend dürfen für 30 Minuten weder Nahrung und Getränke noch andere Medikamente eingenommen werden.
Eine Ausweitung der Behandlung auf zusätzliche Patientengruppen erwarten die im Pressebriefing befragten Experten durch die neue Tablettenform zunächst nicht, sofern Semaglutid indikationsgerecht verordnet wird.
In der aktuellen Diskussion um eine mögliche Erstattung von GLP-1-Medikamenten durch die gesetzlichen Krankenkassen spricht sich Hauner für eine medizinisch begründete Begrenzung auf Patienten mit besonders hohem Risiko für Folgeerkrankungen aus. Das individuelle Risiko lasse sich anhand von Begleiterkrankungen und etablierten Risikoscores abschätzen. Eine generelle Erstattung für alle Patienten innerhalb der zugelassenen Indikation hält er dagegen nicht für sinnvoll.
Kritisch äußern sich Hauner und die ebenfalls befragte Endokrinologin Nina Meyer zu Online-Angeboten für die Abnehmtablette, bei denen eine angemessene ärztliche Betreuung nicht gewährleistet sei. Entscheidend sei, die medikamentöse Therapie in ein umfassendes Behandlungskonzept einzubetten und professionell zu begleiten.
Medien
Pharmazeutische Zeitung, 12. August 2026
Abnehmspritze oder Tablette – was sind die Unterschiede?
Pharmazeutische Zeitung, 13. August 2026
Kriterien für die Erstattung gesucht
dpa, 13. August 2026 – veröffentlicht u. a. bei:
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