Professor Hans Hauner fordert bessere Versorgung von Menschen mit Adipositas
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Adipositas werde noch immer zu häufig als Folge eines ungesunden Lebensstils oder mangelnder Willenskraft betrachtet, kritisiert Hans Hauner. Tatsächlich handele es sich um eine komplexe chronische Erkrankung, die nahezu alle Organe und Körperfunktionen betreffen könne. Viele Betroffene litten unter erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen sowie unter schweren Begleit- und Folgeerkrankungen.
Obwohl wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, gebe es in Deutschland bislang kaum flächendeckende Versorgungsangebote. Hauner verweist unter anderem auf ein bereits entwickeltes Disease-Management-Programm für Adipositas, das eine strukturierte und evidenzbasierte Behandlung ermöglichen soll, bisher jedoch nicht umgesetzt wurde.
Grundlage der Therapie sind nach Hans Hauners Einschätzung individuell abgestimmte Veränderungen der Ernährung und der körperlichen Aktivität. Neuere Medikamente zur Gewichtsreduktion könnten insbesondere für Menschen mit einem hohen gesundheitlichen Risiko eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption sein, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Sie müssten jedoch sorgfältig ärztlich begleitet werden, da sie Nebenwirkungen haben können und das Gewicht nach dem Absetzen häufig wieder steigt.
Prof. Hauner kritisiert, dass die gesetzlichen Krankenkassen gewichtsreduzierende Medikamente aufgrund der derzeitigen Rechtslage in der Regel nicht erstatten dürfen. Auch eine professionelle Ernährungsberatung werde häufig nicht ausreichend finanziert. Da Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt sei, müssten Betroffene ebenso wie andere Patienten Zugang zu einer leitliniengerechten Behandlung erhalten. Dieser Zugang dürfe nicht von den persönlichen finanziellen Möglichkeiten abhängen.
Das Interview von Christina Berndt erschien am 2. Juli 2026 auf SZ.de unter der Zitatüberschrift „Es wird politisch quasi nichts unternommen, um Patienten mit Adipositas zu helfen“ (SZ Plus, kostenpflichtig) und am 10. Juli 2026 in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Schwere Belastung“.
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